Nach einer erholsamen Nacht sind wir fit und motiviert heute
loszulaufen. Wir besorgen noch einige Dinge wie Hirschtalg für die Füße und
Durchfallmedikamente (sei wie eine Seuche auf dem Camino erzählt mir Lukas).
Gegen Mittag geht es dann los. Hinter der Kathedrale betreten wir den durch
verzierte Platten im Boden gekennzeichneten Weg des heiligen Jakob. Endlich! Endlich
bin ich unterwegs! Beschwingt laufen wir 2 Stunden erst durch die Stadt und
ihre Ausläufer und später durch Felder und Wiesen. An einem kleinen Fluss unter
einem Baum liegen einige Pilger im Gras und ruhen ihre Füße aus. Wir gesellen
uns dazu. Mein erstes Stück Jakobsweg war aufregend für mich. Es gibt viel zu
sehen am Wegrand. Während man alles ansieht und aufnimmt, versucht man den
schweren Rucksack auf den Schultern auszubalancieren und richtig einzustellen.
Die Zeit vergeht wie im Flug und wir kommen schnell voran. Vielleicht ein wenig
zu schnell…Meine linke Wade zieht ganz gräßlich. Sollte ich mir auf den ersten
Metern schon eine Zerrung oder etwas in der Art geholt haben? Ich habe versucht
mit dem wandererfahrenen Lukas Schritt zu halten, das fanden meine
untrainierten Beine wohl nicht so gut. Aber es muss weiter gehen.
Die Sonne knallt vom Himmel, als wir gegen 15 Uhr in einem kleinen Dorf zu Mittag essen. Calamaris gibt es und ein frecher streuender Hund versucht ständig sie uns wegzuschnappen. Er springt sogar mit den Pfoten auf den Tisch und schnappt nach dem Leckerbissen. Das entnervt mich ein bisschen, denn er lässt nicht einfach nicht verscheuchen. Während wir schneller essen, überlegen wir für heute Schluss zu machen und hier zu übernachten, wegen meinem Bein und der Hitze. Also auf zur Herberge des Ortes. Leider müssen wir dort feststellen, dass schon alles voll ist. Dabei hat die Unterkunft grade erst geöffnet. „Beeilt euch lieber in den nächsten Ort zu kommen!“, rät uns eine Gruppe Mädchen aus Österreich, „es ist zur Zeit unglaublich voll auf dem Camino.“ Das haben wir schon gemerkt. Man kann keine Strecke laufen ohne in einiger Entfernung vor und hinter sich einen anderen Pilger zu sehen.
So ziehen wir also weiter 2 Kilometer in den nächsten
kleinen Ort. Dort ist es das Selbe Spiel: Kein Platz mehr frei. Doch die
freundliche Hospitalera (Herbergsmutter) bietet uns als Schlafplatz die
örtliche Turnhalle an, damit wir nicht draußen schlafen müssen. Sie besorgt uns
sogar einen kleinen Heizlüfter und so richten wir uns auf Turnmatten unser
Nachtlager in der Umkleide der Sporthalle ein. Später füllen sich unser Raum
und die Nebenräume ebenfalls mit gestrandeten Pilgern. Bei uns schläft noch ein
sehr netter und herzlicher Mann aus Norwegen und wir essen zusammen eine
wunderbare Paella zu Abend. So verbringe ich meine erste Pilgernacht auf dem
Fußboden einer Turnhalle unter dem kontinuierlichen Geschnarche des Italieners
aus dem Abstellraum.